Junioren Trainingslager: FBTG-Diaries 2010
Ein etwas anderer Rückblick auf das Junioren-Trainingslager 2010
Tag 1: Samstag
Die Meute besammelt sich bei der Paul Reinhart Halle in Weinfelden. Mit dabei: Taschen grösser als die Junioren selber, Unihockeyschläger und … Eltern. Diese werden nach dem Bezahlen des Lagerbeitrags aufgrund des Sitzplatz-Gerangels gerne mal vor den getönten Scheiben der Kleinbusse stehen gelassen.
Der Bezug der Unterkunft in Grabs SG gleicht dem Ausbruch einer Heuschreckenplage. Den Leitern bleibt als Schlaf- und Arbeitsraum nur noch die Garderobe mit den Duschen. Gleich nach dem Einpuffen folgt die „Akkreditierung“: das Wort versteht zwar keiner, aber es läutet zusammen mit den Ausweisen an den TKB-Schlüsselanhängern den Start des Lager-Themas „Weltmeisterschaften“ ein. So heisst die Unterkunft nun „Athleten-Center“, der Speisesaal „Verpflegungszentrum“, das Leiterzimmer „Funktionärs-Lounge“ und das WC „Athleten-Kloake“.
Damit die Jungs und Mädels gleich am ersten Abend schon erst spät ins Bett kommen, fährt der Tross extra ans Spiel der Herren 1. Liga nach Wald ZH. Ganz nach dem Motto: „Wir bringen mehr Fans in Eure Halle, als dass ihr selber Fans habt!“. Trotz dem abendlichen Ausflug kommen vereinzelte Athleten nicht drum herum sich sogar noch spätabends von Drillmaster Schürch weiter trainieren zu lassen.
Tag 2: Sonntag
Drillmaster Schürch stellt sich nun allen vor: Sein morgendliches Footing-Programm wird zwar ab dem zweiten Tag dann etwas gekürzt, ist bei allen aber nach wie vor die beliebteste Form des Wachwerdens. Wer bis dahin noch nicht wach sein sollte, lernt das darauf folgende Koordinationstraining von Radi kennen. Nach dem Frühstück natürlich, schliesslich brauchen viele für diese abwechslungsreichen Games und Stafetten schon ziemlich viel Konzentrationshilfe. Daraufhin folgen die ersten Trainings in den Teams. Nach dem Mittagessen startet die WM in den gemischten Gruppen mit Unihockey und einer täglich wechselnden anderen Sportart. Die Athleten werden nebst dem Sport aber auch gestalterisch gefordert, schliesslich müssen ihre WM-Shirts noch personalisiert werden. Wer nicht auf dem Feld punktet, muss eben anders auffallen, gell…
Punkten wollen die jungen Unihockeyaner an diesem Tag auch noch abends beim Grossfeld-Unihockey, was für einige die allererste Berührung mit dem Unihockey der Grossen ist.
Nachtruhe wäre dieses Mal etwas früher gewesen, drei Unverbesserliche wollen aber unbedingt noch herausfinden wo in Grabs zu später Stunde noch die letzte Strassenlaterne leuchtet. Was man mit Schürch alles lernen und entdecken kann…!
Tag 3: Montag
Morgen-Footing, Frühstück, Koordinationstraining, Team-Training, Mittagessen, Ämtli machen, Training, WM-Wettkämpfe, Nachtessen.
Abends dann der akustische Höhepunkt! Wer meint, man könne Montagsmaler mit 25 Junioren ohne Ohrstöpsel spielen, täuscht sich. Mehrmals werden die Regeln angepasst um den Tinnitus nun doch noch zu verhindern. Das Gute aber an der Sache: Die Teams sind mit vollem Einsatz dabei!
Ruhe ist hingegen dann ziemlich schnell nach dem Schlafen gehen. Bei den Junioren C zeigen die Nachtausflüge in den Joggingschuhen Wirkung, bei den Junioren D tun die Gute Nacht Geschichten von Märlitante Gregi ihres dazu.
Tag 4: Dienstag
Erkenntnis 1: Strafaktionen können auch ganz unterhaltsam sein! Zum Beispiel wenn grossmäulige Jungs zu zweit vor allen ein Liedli singen müssen oder wenn Lars und Co. irgendwas mit einer Hühnerfütterung nachspielen (um was es da genau ging, weiss vor lauter Lachen niemand mehr).
Erkenntnis 2: Mit kreativen Strafaktionen kommt ein nahezu abendfüllendes Programm zusammen!
Erkenntnis 3: Die Schweiz spielt Fussball gegen Wales. Und macht Tore!
Erkenntnis 4: Grabs hat ein TV-Geschäft, und das hat auch Plasma-Bildschirme.
Erkenntnis 5: Im Rheintal leben nette Leute: Der Plasma wird uns freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt.
Erkenntnis 6: Nein, die Zivilschutzunterkunft in Grabs verfügt nicht über einen HD-Anschluss. Jetzt müsst ihr halt den Match in normaler Qualität anschauen – wie vor tausend Jahren oder so.
Erkenntnis 7: Der Lager-Paparazzi fällt nur noch den beiden Mädels auf, die sich gerne vom grossen Fotokamera-Objektiv wegdrehen. Die über 500 geschossenen Fotos sorgen dann allerdings an den letzten Abenden für beste Unterhaltung! Ebä doch, gell!
Tag 5: Mittwoch
Es ist Waschtag! Nach den üblichen Trainings und Wettkämpfen am Morgen und am frühen Nachmittag werden die kleinen Unihockeyaner ins Erlebnisbad Chur verfrachtet. Doch das Nass dient nicht nur der Reinigung: Währenddem jedes WM-Team nacheinander Disziplinen wie Schwimmen und Tauchen absolviert, halten die anderen Kids auf der Rutschbahn den Bademeister auf Trab. Und stürzen sich anschliessend natürlich voller Elan auf zwei unschuldige Leiter, die sich nach getaner Arbeit gerade im warmen Wasser erholen wollen. Allerdings enden die Angriffe gegen die übermächtigen Wassergötter natürlich ohne grosse Erfolge: Die Juniörli lernen die Wasseroberfläche von unten kennen und das Geplansche endet schliesslich mit Junioren-Weitwurf im Wasserbassin. Ein Wunder, dass alle anderen Besucher des Bades nicht die Flucht ergriffen.
Die beiden Küchen-Feen Ursi Senn und Anja Grögor punkten einmal mehr mit Ihrer Flexibilität was die Essenszeit betrifft - und mit ihren Kochkünsten selber. Selten schon haben wir ein Küchenteam erlebt, an dem Kinder und Leiter nichts auszusetzen hatten!
Tag 6: Donnerstag
Endlich Ernstkampf! Heute finden die Freundschaftsspiele der Junioren C und D statt. Alle sind nervös. Alle wollen das Gelernte nun in die Tat umsetzen. Alle bangen, als sich der Gegner aus Widnau nicht rechtzeitig blicken lässt. Alle kämpfen und fighten als die Rheintaler dann doch noch kommen. Alle machen Tore, bekommen aber auch welche. Allen zehrt das Spiel nach der intensiven Lagerwoche an den Kräften. Und alle verlieren schlussendlich (also alle Thurgauer). Das macht aber nichts, alle vergessen beim anschliessenden Nachtessen und bei den Spässen vom Cabaret-Duo „Divertimento“ die Niederlage recht schnell wieder.
Tag 7: Freitag
Der letzte volle Tag. Angekündigt ist ein Ausflug am Morgen, weil die Halle besetzt ist. Wieso dann – kennzeichnend für die ganze Woche – unzählige Jungs immer wieder fragen müssen wohin es denn geht, obwohl die Antwort der Leiter stets lautet „Das gsehsch denn“, ist uns noch heute ein Rätsel. Umso positiver überrascht sind die Jungs (und Mädels) dann, als sie in die Militärfestung Heldsberg hinunter steigen. Es ist spannend den sonst so vorlauten Junioren zuzuschauen wie sie interessiert bei den Ausführungen zum zweiten Weltkrieg zuhören, an jeder Ecke stehen bleiben um das Gesehene noch genauer zu betrachten, versuchen mit dem Zielfernrohr der Kanonen etwas zu entdecken, auf die grossen Geschütze kraxeln oder rund 350 Treppenstufen im Innern des Berges für ein Konditraining nutzen. Und noch amüsanter ist es zuzusehen wie sie sich ab der uniformierten Schaufensterpuppe in der Kasernenküche oder an der PET-Flasche, die aus dem Handgranatenauswurf zu fliegen kommt, erschrecken. Einfach köstlich! Unser Angebot etwas mehr für die Führung zu bezahlen, wenn wir dafür die Junioren hier tief im Berg einsperren könnten, schlagen die beiden netten Guides allerdings überraschenderweise aus…
Die WM-Teams geben beim Grossfeld-Unihockey nochmals alles. Und freuen oder ärgern sich über die erreichten Ränge bei den Ämtli. Gewisse Teams sollten das Abwaschen, das Tische putzen oder WC reinigen in der Zeit bis zur nächsten WM unbedingt nochmals in der Heimat trainieren! Am besten täglich, liebe Mamis! Und dann mit „Divertimento“ und Dessert belohnen, das funktioniert!
Tag 8: Samstag
Arbeitsteilung sieht so aus: Währenddem die Junioren C die Unterkunft putzen, lauschen die Junioren D dem Ende der Geschichte um die Verschwörung auf Burg Wildenstein. Die Saubermänner sind allerdings so schnell, dass es schliesslich nun doch noch nicht klar ist wer für den Diebstahl des Buches mit den 7 Siegeln verantwortlich ist. Deshalb die Lösung nun hier: Mit dem geschickten Plan von Wolfram wird schliesslich Ritter Erich von Wendlingen überführt. Er wollte mit dem Abhandenkommen des Buches den Baron in Verruf bringen und selber Schlossherr von Wildenstein werden.
Genauso glücklich geht auch die Geschichte über das Trainingslager 2010 zu Ende. In Weinfelden angekommen, werden die Sieger der Weltmeisterschaften gekürt, aber alle erhalten einen tollen Preis. Und schliesslich können alle Juniorinnen und Junioren wieder heil (mit Ausnahme eines einzigen abgebrochenen Zahns) ihren Eltern übergeben werden. Wir tippen, die meisten davon sind abends zu Hause relativ erschöpft aber zufrieden ins Bett gefallen! Wie echte Champions eben nach einer intensiven und erlebnisreichen Woche!
Übrigens: Will man den Gerüchten glauben, so werden schon nächstes Jahr wieder neue Weltmeisterschaften stattfinden! Wer meint er schaffe die Qualifikation dazu, sollte also das Datum vom 8. bis 15. Oktober jetzt schon mit seinem Management (den Eltern) absprechen…






