Ergebnisse der ETH-Masterarbeit liegen vor
Junioren von FBTG im Alter zwischen 7 und 12 Jahren haben an einer Masterarbeit-Studie der ETH teilgenommen. Roger Gerber untersuchte dabei, ob auch im Unihockey von einer frühen Spezialisierung auf nur eine Sportart abgeraten und mehr polysportiv gearbeitet werden sollte. Nun liegt das Ergebnis vor.
Viele Fachleute der Nachwuchsförderung sind sich einig, dass man auf eine zu frühe Spezialisierung auf nur eine Sportart verzichten sollte. Aus diesem Grund sollte ein polysportives Training im Vordergrund stehen. Im Unihockey liegen jedoch noch wenige Daten zur Wirksamkeit polysportiver gegenüber sportartspezifischer Trainings vor. Diese Studie soll helfen, hier Evidenz zu schaffen.
Die Studie
Ziel dieser kontrollierten Interventionsstudie war es herauszufinden, welchen Einfluss ein polysportives anstelle eines sportartspezifischen Trainings auf die motorische Leistungs- sowie die Konzentrationsfähigkeit der Unihockeyspieler hat. Zudem wurde überprüft, ob zwischen der Konzentrations- und den sportmotorischen Fähigkeiten ein starker positiver Zusammenhang besteht. 93 Unihockeyspieler im Alter von 7 bis 12 Jahren aus insgesamt sieben Thurgauer und umliegenden ausserkantonalen Unihockeyvereinen wurden vor, während und nach der 25-wöchigen Studie einer Testreihe unterzogen. Mittels einfacher Tests wurden Geschicklichkeit, Differenzierungs-, Reaktions-, Orientierungs-, Gleichgewichts- und Konzentrationsfähigkeit sowie sportartspezifische Technik gemessen.
Unterschiedliche Entwicklungen
Die Probanden, welche ein polysportives anstelle eines sportartspezifischen Trainings absolvierten, erzielten im Vergleich nach einer 25-wöchigen Trainingsphase in der Reaktionsfähigkeit grössere Fortschritte, welche aufgrund der Effektstärke durchaus von praktischer Bedeutung sind. Im Test der Gleichgewichtsfähigkeit sowie der Schussgenauigkeit bekundeten die Probanden, welche sportartspezifisch trainierten, vergleichsweise signifikant grössere Leistungssteigerungen. Zudem konnte bezüglich der Interaktion aufgezeigt werden, dass sich die sportartspezifische im Vergleich zur polysportiven Trainingsgruppe im Test der Schussgenauigkeit signifikant unterschiedlich über die Zeit entwickelte. Ein starker Zusammenhang zwischen der Konzentrations- und den sportmotorischen Fähigkeiten konnte nicht festgestellt werden.
Die Empfehlungen
Ein polysportives anstelle eines sportartspezifischen Trainings führt nicht zu den gewünschten Leistungssteigerungen. Aufgrund der Resultate kommt man zum Schluss, dass es für die Leistungsentwicklungen der jungen „Unihockeyaner“ in diesem Alter nicht das Wichtigste ist, ob sie nun sportartspezifisch oder polysportiv trainieren. Viel wichtiger ist, dass sie in Bewegung sind, und dass das Training der Entwicklungsstufe der Jugendlichen angepasst ist. Berücksichtigt man jedoch die Rückmeldungen der Junioren aus der Interventionsgruppe, verändert sich dieser Standpunkt. Diese belegen ganz klar, dass ein polysportives Training den Wünschen und Bedürfnissen der Jugendlichen im Alter von 7 bis 12 Jahren entspricht. Die Befürchtung, dass durch eine sportartübergreifende Förderung weniger Fortschritte und somit weniger Erfolge erzielt werden, ist anhand der Ergebnisse nicht nachweisbar. Zwar erzielten die Probanden der Kontrollgruppe 1 mehr Treffer im Test zur Ermittlung der Schussgenauigkeit, jedoch waren ihre Fortschritte in der Passgenauigkeit nach 25 Wochen geringer im Vergleich zu jenen, welche ein polysportives Training absolviert haben. Hinzu kommt, dass es im Spiel noch weitere Faktoren zu berücksichtigen gilt, welche über Sieg und Niederlage entscheiden. Das sind zum Beispiel das Zweikampfverhalten, die Fähigkeit, die richtigen Entscheide unter Druck zu fällen, der Einfluss des Schiedsrichters und der Zuschauer, das Wettkampfglück etc. Der Verfasser des Berichts empfiehlt den Trainern in den Vereinen deshalb Tabellenplätze nicht überzubewerten und viel mehr die Grundausbildung des Nachwuchses in den Vordergrund zu stellen. Die Kinder könnten bei einer polysportiven Zusammenarbeit mehrerer lokaler Vereine in jungen Jahren optimaler unterstützt werden und viele Bewegungserfahrungen sammeln, bevor sie sich später für eine Hauptsportart festlegen. Oder innerhalb des Vereins werden im jeweiligen Unihockey-Training zahlreiche polysportive Elemente eingebaut. Das übergeordnete Ziel, nämlich bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten zu trainieren und diese auch optimal in der eigenen Hauptsportart umzusetzen, bliebe so aber nach wie vor bestehen.
Die ausführliche Auswertung des Berichts kann als PDF-Dokument bei Roger Gerber angefordert werden: roger.gerber(at)gmx.ch






