Montag, 25. Mai 2020

«Wir wollen mit unseren Jungs den Aufstieg schaffen!»

Marco Bötschi bleibt Floorball Thurgau für ein weiteres Jahr als Präsident erhalten. Der Märstetter schiebt den Rücktritt vorerst auf und will den Verein auch nächste Saison auf und neben dem Feld erfolgreich entwickeln. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Marco Diem: Hallo Marco. Aktuell ist es ja wirklich keine einfache Zeit für Sportvereine. Wie hast du die letzten Wochen und Monate erlebt? Fehlt dir das Unihockey oder der Sport allgemein?

Marco Bötschi: Meiner Familie, meinem Umfeld und mir geht es gesundheitlich gut und dies ist in dieser schwierigen Zeit das Wichtigste. Die letzten Monate waren in den administrativen und organisatorischen Bereichen des Vereines sehr intensiv. Nach dem abrupten Stopp der sportlichen Saison und dem finalen Entscheid von swissunihockey, die Saison abzubrechen und ohne Aufsteiger zu werten, haben wir uns um die finanzielle Absicherung des Vereins und um die Planung der nächsten Saison gekümmert. Daher war Unihockey bei mir in den letzten Wochen und Monaten immer präsent. Nun freue ich mich, dass wir in kleinen Schritten die Mannschaftstrainings wieder aufnehmen können und auf den Kontakt und persönlichen Austausch mit den Spielern und Trainerteams.

MD: Muhammad Ali, Michael Jordan oder auch Pélé: Sie alle gaben den «Rücktritt vom Rücktritt». Du warst noch gar nicht weg, hast aber bereits letztes Jahr angekündigt, das Amt des Präsidenten von Floorball Thurgau abzugeben. Nun bleibst du uns eine weitere Saison erhalten. Dürfen wir nun auf ein weiteres grosses «Comeback» hoffen?

MB: Ich denke nicht, dass ich mich mit den genannten Sportgrössen vergleichen kann (lacht). Jedoch ist es richtig, dass ich mich bereit erklärte, mein Engagement als Präsident zu verlängern. Die Corona-Krise mit den vielschichtigen Konsequenzen war sicher Hauptauslöser. Zudem gestaltete sich die Nachfolgeregelung gerade in dieser Zeit nicht einfach. Wir hatten sehr gute Gespräche und starke Persönlichkeiten, die sich diesen Schritt vorstellen können, jedoch noch nicht in diesem Frühling. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und für mich war die abgebrochene Saison ein ausschlaggebender Punkt. Wir durften im letzten Jahr sportlich im Leistungsnachwuchs-Bereich die beste Saison der Vereinsgeschichte feiern. Mit der erstmaligen Qualifikation des U21A-Teams für die Playoffs, der Halbfinalteilnahme der U18A-Mannschaft – wo sogar der Einzug in den Final möglich gewesen wäre –  und dem realisierten Aufstieg des U16-Teams in die höchste Stufe konnten alle gesteckten Ziele erreicht werden. Mit der Qualifikation zu den Aufstiegsspielen zur NLA waren wir auch beim Herren-Team auf dem richtigen Weg. Ob wir das grosse Ziel erreicht hätten, kann niemand beantworten, aber wir waren auf jedenfall auf Augenhöhe mit unserem Gegner.

In den administrativen Bereichen konnten wir weitere Verbesserungen vorantreiben und Stabilität gewinnen. Nun gilt es die anstehenden Veränderungen in unsere Organisationsstruktur und den eingeschlagenen Weg des Spitzensports konsequent weiterzuentwickeln. All dies ohne Präsidenten: das kann, ja soll nicht sein und wollte ich nicht verantworten.

MD: Was sind deine Ziele für Floorball Thurgau «Ausgabe 2020/2021»?

MB: Wir möchten uns in den Leistungsnachwuchs-Mannschaften weiter den Spitzenteams der Schweiz annäheren. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigen wir motivierte und gut ausgebildete Kader sowie ein professionelles Umfeld. Auch in der kommenden Saison investieren wir sehr viel in die Ausbildung der Spieler und wissen in allen Leistungsstufen top ausgebildete Trainer in unseren Reihen.

Wir möchten viele Mädchen und Jungs für den Unihockeysport begeistern. Der Einstieg, die Freude am Unihockey und eine solide Grundausbildung sind daher wichtige Punkte im Breitensport. Diese jungen Spielerinnen und Spieler sind wichtig, um unsere Ziele nachhaltig zu sichern.

MD: Wie erreicht Floorball Thurgau diese Ziele?

MB: Damit wir sowohl die Ausbildung als auch den Spielbetrieb und somit den Lieblingssport unserer Juniorinnen und Junioren möglich machen zu können, sind wir auf finanzielle Mittel und «tragende Schultern» angewiesen. So bieten wir unseren bestehenden und zukünftigen Sponsoren einen Mehrwert für ihr Engagement in unsere Leidenschaft. Es sind bereits viele Ideen vorhanden, die darauf warten umgesetzt zu werden. So dürfen sich die Fans auf einige Neuerungen freuen. Die Arbeiten und Verantwortlichkeiten müssen innerhalb des Vorstands auf mehrere Schultern verteilt werden. Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, Mitglieder und vereinsnahe Personen für ein Vorstandsamt zu gewinnen. Hierzu werden wir bald mehr kommunizieren.

MD: Es wird oft genug nur von Herausforderungen und Zielen gesprochen. Du bist seit 2017 Präsident bei Floorball Thurgau. Da gibt es abgesehen von vielen Zielen doch bestimmt auch einige Highlights aus dieser Zeit. Woran erinnerst du dich gerne zurück und was möchtest du persönlich noch(mals) erleben dürfen?

MB: Es gibt sehr viele schöne sportliche Einzelmomente, Gespräch in der Halle mit Eltern und Sponsoren sowie Freundschaften, die sich entwickelt haben. Mein absolutes Highlight war ohne Zweifel vor zwei Jahren der Doppelaufstieg der U18- und U21-Mannschaft in die höchste Leistungsstufe des Schweizer Unihockeys. Dieser Schritt war für die Entwicklung des Thurgauer Unihockeysport wegweisend. Wir konnten von da an den jungen Nachwuchshoffnungen aus der Sportschule Erlen anschliessend an die U16A-Mannschaft der Sportschule die höchsten Leistungsstufen der U18 und U21 bieten. Viele dieser Spieler stehen auch nächste Saison noch bei uns im U21- oder NLB-Team im Einsatz. Es wäre schön, mit ihnen und nachkommenden Junioren aus dem eigenen Nachwuchs weitere Aufstiege und Meisterschaften zu feiern.

MD: Vielen Dank fürs Gespräch. Wir freuen uns, dich für mindestens ein weiteres Jahr als wichtigen Teil der Floorball-Thurgau-Family zu wissen. Und manchmal dauert so ein Comeback ja noch lange an…

Foto: Floorball Thurgau