Dienstag, 24. März 2020

NLB: Die Unvollendete

1822 verfasste der Komponist Franz Schubert als eines seiner rund 600 Werke die Sinfonie mit dem Namen «die Unvollendete», eine Sinfonie in h-Moll, bestehend aus zwei Sätzen. Lange war es unklar, ob die Sinfonie, welche üblicherweise aus 3 oder 4 Sätzen bestehen, noch weitergeschrieben würde. Bis zu seinem Todestag 7 Jahre später geschah dies nicht.

[Autor: Beni Bötschi]

Fast 200 Jahre später bestimmt eine weltumfassende Pandemie den Tagesablauf eines jeden Einzelnen. Vor einigen Wochen noch kaum vorstellbar, doch nun die Realität:  der Sport, der längst zu einer Nebensache in der globalen Erzählhoheit wurde, beinhaltet viele unvollendete Geschichten.

Reihenweise Grossanlässe, laufende Saisons, internationale und nationale Entscheidungen, Wettkämpfe, Turniere, Playoffs und noch vieles mehr: alles abgesagt.

Auch Floorball Thurgau trifft diese Realität, derweilen härter als andere Vereine, für welche die Saison bereits fertig war oder höchstens noch unangenehme Relegationsspiele nach unten anstanden.

Die erste Saison unter Headcoach Ruotsalainen lief vielversprechend. Früh konnte sich die NLB-Mannschaft im vorderen Teil der Tabelle platzieren und es gelang, trotz einer sehr jungen und stark veränderten Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr, respektable Leistungen zu erzielen und viele Fortschritte zu machen.

Nach nur wenigen Spielen zeigte sich, welches Potenzial diese Mannschaft besitzt. Sicher herauszustreichen die drei klaren Siege gegen den Liga-Favoriten Basel in der Vorbereitung und in der Vorrunde sowie der Sieg im Cupspiel gegen die NLA Mannschaft aus Uster.

Floorball Thurgau kam mit dem entsprechenden Selbstvertrauen in den Playoffspielen an, besiegte das gewählte Verbano klar in drei Spielen und war auch gegen Ticino mit den ersten beiden Siegen auf Kurs in Richtung Auf-Abstiegsplayoffs. Die Spieler von Ruotsalainen waren ready, die sich selbst gesteckten Ziele weiterzuverfolgen und es wurde Woche für Woche hart gearbeitet. Doch dann das abrupte Ende. Ab dem 13. März 2020 wurde kein Spiel mehr ausgetragen, aus verständlichen Gründen die Saison abgesagt und von einem auf den nächsten Tag waren die ganzen Investitionen und der ganze Aufwand vieler Monate einfach nichts mehr wert.

Der Frust der Mannschaft war verständlicherweise gross. Die Ohnmacht, nichts mehr für das grosse Saisonziel unternehmen zu können, die Traurigkeit über eine verpasste Chance, der Ärger darüber, dass die Voraussetzungen innerhalb der Mannschaft so gut gestimmt hatten und dass alles nichts mehr nützen würde... Jeder Beteiligte der Mannschaft hat vieles zu verarbeiten, und gleichzeitig bestimmt ein noch viel grösseres Thema das Tagesgeschehen.

Irgendwann, in einer ferneren Zukunft, werden alle mit einem anderen Blick und einer anderen Einordnung auf die Geschehnisse des Frühjahrs 2020 zurückblicken können. Doch im Moment ist es diese Saison, die sie ist. Wie das Werk von Schubert, die Unvollendete.

Die Zeichen werden also nach vorne gerichtet und die Kaderbildung für die nächste Saison nimmt erfreuliche und konkrete Formen an. Hier wird in den nächsten Tagen laufend über Entwicklungen berichtet. An der nächsten Sinfonie, vielleicht einer in der Tonart Dur, wird bereits eifrigst gearbeitet.

Foto: Floorball Thurgau, Sandro Schmuki