Mittwoch, 14. März 2018

Damen KF: Feuerwerk der Extraklasse - Damen kämpfen sich auf Rang 2 vor

Vergangenen Sonntag ist der Damenmannschaft von Floorball Thurgau ein bedeutender Schritt Richtung Tabellenspitze gelungen. Neu befindet sich das Team dank zwei deutlichen Siegen auf Rang 2. Gedanken eines neutralen Beobachters zum Spiel.

[Text: Neutraler Beobachter]

Die Spielerinnen waren sich ihrer Lage bewusst - will man die Bühne der Saison 2017/18 mit einem Feuerwerk verlassen, muss eine Leistungssteigerung für die letzten verbleibenden Spiele her. Am Sonntag, zweitletzte Runde, hiessen die Gegner Bronschhofen und Herisau, «und genau gegen solche Teams müssen wir dominant auftreten», stellte dann auch der noch etwas müde Coach Hari gleich zu Beginn klar.

Müde war er wegen des vermeintlich langen Vorabends. Also wegen des Ausscheidens aus den Playoffs mit den Red Lions. Also nur wegen des Spiels. Metaphorisch gesprochen erschien er um fünf vor 12. Dies irritierte die hochmotivierten Spielerinnen allerdings nicht so arg, wie man erwarten durfte. Im Gegenteil: Die Thurgauerinnen rangen die beiden Gegner mit 17:2 und 12:5 nieder.

Ein fulminanter Start – Barbacetto an vorderster Front

Die Damen legten trotz diverser Abwesenheiten einen Traumstart gegen Bronschhofen hin. Mit gerade mal zwei Blöcken gelang es ihnen, das Spiel von Beginn weg zu kontrollieren. Die erste Linie mit Hagen, Barbacetto und Altenburger trumpfte mit Tempo und teils schönen Doppelpässen auf. Barbacetto versetzte dabei die Halle immer wieder mit einer beeindruckenden Ballkontrolle und schönen Toren ins Staunen. Die ätzende Vorgabe des Coaches, sie solle doch endlich mal halbhoch statt darüber schiessen, ignorierte sie gekonnt und versenkte mehr als nur einen Ball im «Chribbel». «Solange sie trifft, geht das natürlich in Ordnung», sagte der Coach nach dem Spiel zu den Medien, als er auf das Schussverhalten der extra aus Italien eingeflogenen Spielerin angesprochen wurde.

Hagen und Altenburger in Höchstform

Aber auch Barbacettos Blockkolleginnen Hagen und Altenburger fielen auf. Hagen fing plötzlich an, Tore zu schiessen. Den Trainern war schon lange bekannt, dass sie grundsätzlich eine gute Schützin ist – zumindest, was die Abschluss-Schärfe anbelangt: das Messgerät zeigte in den Trainings eigentlich nie unter 300 km/h an. In der Regel landeten diese Bälle allerdings öfters in benachbarten Ländern wie Frankreich oder Österreich, statt im gegnerischen Tor. Doch nicht so an diesem «verdammten Sonntag»: Gleich sieben Mal versenkte sie den Ball (über beide Spiele) im Gehäuse - mit einer solchen Wucht, dass sich der Schiri um den Zustand des Netzes sorgen musste. Altenburger setzte den Fokus mehr auf ihre immer stärker werdende Übersicht und ihre Aufsässigkeit im Slot, die den Gegner jeweils an den Rand der Verzweiflung trieb. Ihre Listigkeit, die man sonst eher aus der Tierwelt kennt (Fuchs und Kaninchenbau und so), zeichneten die junge Spielerin aus und begeisterten Freund und Feind.

Zweite Linie, erste Sahne

Auch die zweite Linie mit Schneider, Jäger und Notz wusste zu überzeugen. Wenn Schneider mal in Torlaune ist, kann sie eigentlich nur ein Erdrutsch, ein Tornado oder eine Sintflut stoppen: Über beide Spiele drückte die zweikampfstarke Spielerin – die Gerüchten zufolge ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammen soll – den Ball insgesamt zehn Mal (!) über die Torlinie. Dabei wurde sie von Jäger, deren Name schon einiges vorwegnimmt, entscheidend unterstützt. Sie ist schneller im Sprint als ein Gepard auf Koks, überlief den Gegner folglich in praktisch jedem Angriff und bediente ihre beiden Mitstreiterinnen mit schönen Passen. Notz wiederum wusste das zu schätzen und netzte ebenfalls mehrmals ein – auch aus Winkeln, die teils jedem physikalischen Gesetz widersprechen. Das führte bei ihr zu (ungewollten?) lauten, aber herzerwärmenden Emotionsausbrüchen, welche die bombastische Hallenstimmung um ein Vielfaches übertönten.

Joker rückt sich ins Rampenlicht

Auf das zweite Spiel wurde der Kader verstärkt durch den Joker Dällenbach - ein Neuling, der nun bestimmt auf dem einen oder anderen Scoutingbericht erwähnt wird. Dällenbach ist trotz ihres zarten Alters selbstbewusst genug, jeder Gegenspielerin auf Augenhöhe gegenüberzutreten. Das zeigte sie auch auf dem Spielfeld: Mehrere Male gelang es ihr, wichtige Bälle tief in der gegnerischen Hälfte gegen doppelt so grosse Spielerinnen zu erobern und den Ballbesitz somit wieder auf Thurgauer Seite zu ziehen. «Ihr Potenzial zeigt sich je länger je mehr», sagte Coach Hari zufrieden am Schluss des Spiels.

Torhüterin Siegfried: das Geschenk des Himmels

Die Resultate sind nicht zuletzt Keeperin Siegfried zu verdanken. Mit überirdischen Reflexen fing sie die wenigen Schüsse ab, die gegen ihren Kasten geflogen kamen, hielt einen Penalty und staubte mit einem Assist auf Notz gar einen Skorerpunkt ab. An der Medienkonferenz antwortete sie auf die Frage, wie sie sich auf die Spiele vorbereitet hätte, kühl: «Ich kenne meine Skills. Wenn die Mannschaft selbstbewusst auftritt, kann ich diese auch voll abrufen.»

Fazit: Beide gegnerischen Mannschaften konnten den Thurgauern nicht annähernd das Wasser reichen. Coach Hari darf sich über eine Mannschaft freuen, die mit der Zeit zu einer beeindruckenden Einheit zusammengewachsen ist. Wie geht es nun weiter? Hari: «Das Ziel ist klar: die letzten beide Spiele ebenfalls zu gewinnen und damit den zweiten Tabellenplatz zu sichern.» Wir sind gespannt.

Ein derart eingeschworenes Team hat die Welt letztmals bei der Fussball WM 2006 in Weltmeister Italien gesehen (Foto: fbtg)